Just-in-time oder just-in-case?

Die instabile Lage in vielen Ländern und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben dazu beigetragen, dass viele Unternehmen ihre Strategien für die Bestandsverwaltung gründlich überdenken. Ist die Bevorratung ein Mittel gegen die Probleme der Unterbrechung der Lieferkette?

Just-in-time: Effizienz und Bestandsreduzierung

Die Unternehmen sind bestrebt, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig die Kosten zu senken. Eine beliebte und wirksame Methode ist Just-in-Time, die in vielen Unternehmen schon seit Jahren eine tragende Säule des Produktionsmanagements ist. Dabei geht es darum, die richtigen Waren zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zu liefern. Ziel dieses Konzepts ist es, einen kontinuierlichen Warenfluss zu gewährleisten und gleichzeitig unnötige Lagerbestände zu reduzieren. Der bei weitem größte Vorteil dieses Modells ist die effiziente Nutzung der Ressourcen. Allerdings ist das Unternehmen bei diesem Konzept nicht in der Lage, rechtzeitig auf eine Nachfragespitze zu reagieren. Ein sehr wichtiges Element bei dieser Methode ist die Stabilität der Partner, nahezu unveränderte Marktbedingungen und, wenn möglich, der Einsatz lokaler Lieferanten.

Just-in-Case: Schutz vor unvorhergesehenen Situationen

Das komplette Gegenteil der Just-in-Time-Methode ist Just-in-Case. Sie basiert auf der Bevorratung einer ausreichenden Anzahl von Waren, Halbfertigprodukten oder Rohstoffen für unvorhergesehene Situationen. Mit dieser Strategie kann das Unternehmen Probleme vermeiden, die durch Verspätungen der Lieferanten entstehen. Es hat bessere Chancen, einen plötzlichen Anstieg der Nachfrage zu bewältigen, und schützt sich vor den Folgen plötzlicher Materialkostensprünge. Der größte Nachteil dieser Methode sind die relativ hohen Lagerkosten und die Notwendigkeit, das Lager speziell für eine solche Strategie vorzubereiten.

Just-in-time oder just-in-case?

Pandemie und Versorgungsstrategien – Anpassungsstrategien

Vor der COVID-19-Pandemie herrschte in den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes die Just-in-time-Methode vor. Ist sie immer noch so effektiv? Als die Lieferkette unterbrochen wurde, gab es in vielen Unternehmen ein großes Problem. Die Unternehmen waren nicht in der Lage, auf die Marktnachfrage zu reagieren. Es stellte sich heraus, dass nur diejenigen, die über Lagerbestände verfügten, in der Lage waren, die Produktion aufrechtzuerhalten und somit auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren.

Jede Methode hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Je nach Branche, in der das Unternehmen tätig ist, und je nach den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten kann es einen geeigneten Aktionsplan entwickeln, der die stark schwankende und unvorhersehbare Marktsituation berücksichtigt. Die Ereignisse der Vergangenheit und die aktuellen Ereignisse geben auf jeden Fall Anlass zum Nachdenken, und viele Unternehmen stellen ihre bisherigen Strategien in Frage.